11
Jul

Schrödingers Würmchen

   Posted by: britta   in Allgemeines

Wenn ich zur Zeit sonnenwarme Kirschen vom Baum hole und verspeise, huldige ich damit gleichzeitig einem der bekanntesten Gedankenspiele der Quantentheorie, ganz aktiv und am eigenen Leibe. Ich schaue nämlich nicht nach, ob in den einzelnen Kirschen Würmchen versteckt sind. Und auf gewisse Weise beeinflusse ich damit - zumindest meine eigene - Realität. Denn so lange ich nicht nachschaue bleibt unklar, ob Würmchen in der Kirsche sind oder nicht, sie verharren sozusagen in einem diffusen Bereich der Möglichkeiten und müssen sich weder für die eine noch für die andere entscheiden. Ich kann annehmen, dass einfach keine da sind, und die Kirschen genießen. Eine der kleinen roten Kugeln aufzuschneiden und nachzuschauen würde die Würmchen endgültig dazu zwingen, sich für Existenz oder Nicht-Existenz zu entscheiden. Und weder möchte ich die kleinen Biesterchen zu irgendwas drängen, noch will ich in diesem Fall wirklich wissen, ob mein Essen komplett vegetarisch ist oder nicht (und die Konsequenzen daraus ziehen). So bleiben Schrödingers Würmchen - und auch ich - in einer unentschlossenen Zwischenwelt, die ganz ruhig weiter existiert, so lange ich beide Augen zu mache. Was den potentiellen Würmchen nichts nützt, sollte es sie doch geben. Und ihnen nicht schadet, wenn sie nichts existieren.
Achja.
Das ist mal angewandte Physik.

28
Jun

Schöner, stählerner Wahnsinn

   Posted by: britta   in Allgemeines

Zu meinem Besichtigungsprogramm während des Besuches in Saarbrücken bei meinem Bruder gehörte auch die UNESCO Weltkulturerbestätte “Völklinger Hütte”, ein aufgegebenes Stahlwerk. Wirklich etwas darunter vorstellen konnte ich mir nicht, doch erstens war ich mir sicher, dass die UNESCO nicht nur drei verrostete Trittleitern zu einem Weltkulturerbe erklären würde und zweitens klang das doch nach regelrechtem Steampunk-Ambiente.
Und ich wurde nicht enttäuscht.
Es ist erstaunlich, wie viel Schönheit in einer Unmenge von monströsen Stahlkonstruktionen verborgen sein kann, in der Masse von verrosteten Gerätschaften und Öfen, in Rohren und Plattformen. Zu der Zeit seines Betriebes muss das Stahlwerk eine eigene Welt gewesen sein, ein paralleles Universum voller Rauch und Feuer, beißender Dämpfe und enormer Hitze. Wirklich vorstellen konnte ich mir das nur an wenigen Stellen, zu still und kühl stehen jetzt die Ruinen in andächtigem Schweigen. Aber vor allem wenn man bedenkt, dass die Völklinger Hütte unter anderem aufgegeben wurde, weil sie zu klein geworden war, wird mir der Wahnsinn, den Menschen in diese Welt gebracht haben, so richtig bewusst.



Trotzdem, es war toll. Ich habe in den 4,5 Stunden sehr viele Fotos gemacht (und würde gerne eines Tages mit entsprechender Gewandung nochmal dahin zurück kehren ;-) ) und viel über einen Aspekt der Industrie gelernt, von dem ich vorher so gut wie nichts wusste. Insgesamt kann ich den Besuch in der Hütte (haha, Hütte… was für eine unpassende Assoziation!) nur unter “sehr inspirierend” verbuchen!

Auch wenn der Rundgang leider, in Kombination mit dem extrem gut und frisch klimatisierten Historischen Museum Saarbrücken am Vortage, zu einer massiven Erkältung geführt hat. Kultureller Schnupfen. Tja. Ist leider genauso entnervend wie ein profaner :-)

13
Jun

Ikarus 42 und…

   Posted by: britta   in Allgemeines, Vom Schreibtisch

Mein aktueller Ikarus 42 “Gesandtschaften” erscheint bald im Atlantis-Verlag, hier kann ich schonmal das Cover zeigen (mein Wunsch das Motiv betreffend war die Frau mit dem Schweißbrenner, ausdrücklich ohne Schutzkleidung - der Rest war die Phantasie des hervorragenden Coverkünstlers Thomas Knip. Ich hoffe, es ist für potentielle Leser nicht allzu enttäuschend, wenn ich darauf hinweisen muss, dass die Protagonistin im Roman doch deutlich weniger sommerlich gekleidet ist :-) ).



Ansonsten habe ich eine neue Seite in meinem Blog eingerichtet, die ich “Fragmente” genannt habe - hier werde ich, wann auch immer ich eines verfasse oder über ein altes stolpere, Textstückchen in die Welt entlassen, die es aus dem einen oder anderen Grund nicht geschafft haben, sich zu einer echten Geschichte auszuwachsen. Entweder, weil das von vornherein nicht ihre Aufgabe gewesen ist und ich nur einen Gedanken zu Papier bringen wollte, oder weil ich keine Zeit bzw. keine Energie zum Weiterschreiben hatte. Vielleicht sind sie ja trotzdem unterhaltsam :-)
Den Anfang macht heute “Miss Lillywood” aus meiner P&P-Rippers-Runde!

3
Jun

Kurzgeschichte auf Fantasyguide

   Posted by: britta   in Allgemeines

Der Titel sagt schon alles: Fantasyguide hat eine Rubrik mit monatlich neuen Kurzgeschichte und eine davon ist jetzt von mir, mit einem kurzen “Autorenkommentar” dazu :-) Zu finden ist
“Elyras Spiel” auf Fantasyguide hier.

2
Jun

Schönheit 1867

   Posted by: britta   in Allgemeines

Ich lese gerade “Victorian and Edwardian Fashion”, teils aus Interesse an der Geschichte von Kleidung allgemein, teils aufgrund von Recherchen für noch ungeschriebene Romane. Die meiste Zeit ist das schön geschriebene Werk sehr speziell und beschreibt Kleidung im Detail, ohne dass man trotz der vielen Fotos so wirklich weiß, was man sich vorzustellen hat. Aber hin und wieder gibt es Fakten darin, die so besonders und abstrus sind, dass ich regelrecht aufhorche.

Heute wurde mein bisheriger, zugegebenermaßen extrem morbider Favorit, abgelöst. Bis zu diesem Punkt hatte mich am meisten beeindruckt, dass Frauen in den Reifrockkleidern mit zahllosen Metern Tüll, Seide und anderen leichten Stoffen blitzschnell in Brand geraten konnten und dann kaum mehr zu löschen waren, so dass in der Kathedrale von Santiago in Chile einmal 2000 Frauen den Feuertod starben.
Heute las ich, dass es um 1867 bei den jungen Mädchen Mode wurde, sich nicht nur zu schminken und die eigenen Haare zu färben und sie mit Unmengen von künstlichem Haar zu ergänzen, sondern dass sie auch vor anderen Schönheitsprothesen nicht zurück schreckten:

“Some (…) find their ears too long, or too large, or too ill placed, but a prettier or better shaped pair are easily purchased, admirably moulded in guttapercha or some other plastic material; they are delicately coloured, fitted up with earrings and a spring apparatus, and they are then adjusted on to the head, the despised natural ears being, of course, carefully hidden from view.”

Das lasse ich mal einfach so stehen. Dazu fallen mir entweder ein Dutzend Kommentare ein oder mir fehlen die Worte, es gibt nichts dazwischen :-)
Achja, es gab übrigens auch eine französische Firma, die falsche Gummibrüste anbot, die den Atembewegungen mit “mathematical and perfect precision” folgen sollten, und ein Ding, das demi-temps genannt wurde und offiziell dazu da war, die Falten der Kleider besser fallen zu lassen… im Grunde aber die Rundung einer forgeschrittenen Schwangerschaft simulierte. Ob das wohl den erwählten Gentleman, der die Früchter der Romanze bereits genossen hatte, zu rascher Heirat bewegen sollte? Surprise, surprise…

17
Mai

Lektorenspaß

   Posted by: britta   in Allgemeines

Es ist erstaunlich, was man für einen kreativen Müll zusammen schreibt, wenn man bei einer Geschichte einfach drauf los tippt. Das ist völlig in Ordnung und soll so sein - wie zäh wäre der Schreibfluß, wenn man nur das zu Papier bringen würde, was schon vollkommen und fehlerfrei ist? - dafür liest man sich das eigene Werk dann später wieder und wieder durch, um die spaßigen Vertipper zu finden, die unendlichen Wortwiederholungen, die Formulierungsfehler, die Gedankenkurzschlüsse. Und danach kommt ein Lektor und macht nochmal das gleiche, da man ja betriebsblind wird und am Schluß ohnehin nichts mehr erkennen kann. So sollte ein Buch eigentlich fehlerlos in den Druck gehen. Natürlich klappt das nicht immer - es tummeln sich einfach zu viele Worte in so einer Geschichte! - und zuweilen sind es gerade diese Irrtümer, die Spaß machen können.

Ich lese gerade einen Bruder Cadfael Roman von Ellis Peters, schöner Mönchs-Mittelalter-Krimi, in dem ich jetzt zwei so hübsche Fehler gefunden habe, die mich inspirieren.
“Emma war in Aliens Obhut zurüchgeblieben.”
(Eigentlich heißt ihre Bewacherin Aline, aber das Bild, das nach kurzen Stutzen vor meinem inneren Auge erschien, war düster, spannend und hätte Giger erfreut).
Und:
“Er erwies sich als ausgezeichneter Gesellschafter und beantwortete amutig alle Frauen (…).”
(Und das im Gästehaus des Klosters! Nunja, eigentlich sollten es wohl Fragen sein.)

Ich erwarte eigentlich einen makellosen Text, wenn ich ein Buch kaufe. Aber ehrlich, auf der anderen Seite würde ich auf solche unfreiwilligen Schmuckstückchen nicht wirklich verzichten wollen :-)

11
Mai

Partnervermittlung

   Posted by: britta   in Allgemeines

Nur ganz kurz, es kennt nicht zufällig jemand ein alleinstehendes Kuckuck-Weibchen, das gerne einen Galan in Bohndorf kennen lernen möchte? Bald?
Wir haben hier einen äußerst (!) eifrigen Kuckuck und der eigentlich so romantische Ruf, der durch den Frühling hallt, wird im Laufe des Tages langsam zu einer akustischen chinesischen Wasserfolter. Vorletztes Jahr gab es wohl keine Kuckuckmädchen mehr im ganzen Landstrich, denn er brüllte hoffnungsvoll auch den ganzen Sommer hindurch.
Also, ausdauernd ist er.
Und hoffnungsvoll.
Sehr.

Vor einigen Jahren hatte uns jemand gesagt, wenn man den ersten Kuckucksruf im Jahr hört, dann soll man besser Geld in der Tasche haben. Wenn man welches hat, wird man in den kommenden Monaten gut versorgt sein. Wenn nicht, tja, dann sieht das schlecht aus. Im ersten Jahr nach dieser Info bin ich beim ersten Ruf losgehetzt, um einen Euro vom Tisch zu klauben und hoffte, damit das Schicksal gnädig zu stimmen (mit, wie ich zugeben, jetzt keinem unglaublich effektiven Ergebnis). Dieses Jahr saß ich draußen unter einem blühenden Baum und hatte eine Katze auf dem Schoß, was mir jede Lust auf irgendwelche Kurzstreckensprints nahm.
Aber Kirschblüten und Katzennähe sind vermutlich ohnehin die größeren Reichtümer, und wenn die sich auch vermehren, hat der Kuckuck kein schlechtes Werk getan :-).

10
Mai

Nicht alles zu verstehen…

   Posted by: britta   in Allgemeines

… kann amüsant sein. Zum Beispiel, wenn ich morgens beim Frühstück verschlafen die Kleinanzeigen im Wochenblättchen lese, gerade in Rubriken, in denen ich mich nicht auskenne. Und dann sehe ich, dass ich Holländer kaufen kann, zu günstigem Preis, und stelle mir einen sehr freimütigen Menschenhandel vor, mit großen orangenen Pappkartons, die von Hermes ausgeliefert werden. Schön fand ich auch den Gedanken, eine “Fliegendecke” zu erwerben. Damit die armen Brummer nicht frieren.
Die Nächte sind ja auch noch ganz schön kalt…



P.S.: Ich vermute, es geht in Wirklichkeit um sowas wie eine spezielle Pferdedecke, oder?

9
Mai

Maaaary Suuuuue

   Posted by: britta   in Allgemeines

Ich lese zur Entspannung zur Zeit die Drachenreiter von Pern Romane - zumindest die, die ich besitze, denn mein Versuch vor ein paar Jahren, die Sammlung zu komplettieren, scheiterte an den damals enormen Preisen für die rar gewordenen uralten Taschenbücher. Ich habe sehr positive Erinnerungen an die Drachenreiter-Geschichten, musste aber jetzt bei dem zweiten ausgesuchten Werk “Drachensinger” (müsste es nicht “-sänger” heißen? Hmmm…) feststellen, dass die Hauptfigur Menolly eine ganz, ganz, ganz schlimme Mary Sue ist. Das Mädchen wird in der Harfnerhalle aufgenommen, um zur Musikerin ausgebildet zu werden, und sie kann wirklich ALLES: toll spielen, toll singen, toll schreiben, sie ist unendlich bescheiden, sie hat neun der begehrten kleinen Feuerechsen. Wer auch immer böse zu ihr ist, ist das nur aus Neid (naja, da kann man aber auch neidisch werden…), denn Menolly ist ja so nett und rücksichtsvoll zu allen… achja, hübsch ist sie natürlich auch. Und mutig. Und habe ich erwähnt, dass sie - bei aller Bescheidenheit - alles, alles kann?
Ich muss gestehen, dass dieser Perfektionismus meinen Lesegenuß ziemlich schmälert. Ich MAG Hauptfiguren, die toll sind. Ich mag meine Helden heldisch. Aber es gibt tatsächlich Grenzen, und Menolly trippelt - ganz bescheiden - alle zwei Seiten über sie hinweg. Ich fürchte, wenn ich über so jemanden schreiben würde, mir würden die Finger an der süßlichen Tastatur festkleben. Sonderbar, dass mir das damals, als ich die Romane zum ersten Mal gelesen habe, anscheinend gar nicht so aufgefallen ist.
Das ist dann wohl der neidvolle Blick des Alters *hust* auf die Perfektion der Jugend, vermute ich. :-)

8
Mai

Geklontes Internet

   Posted by: britta   in Allgemeines

Kürzlich habe ich den Text zu einem Lied gesucht, das ich auf einer CD mit irischer Musik gehört habe und sehr hübsch fand. An 1-2 Stellen war ich mir aber nicht sicher, ob ich alles richtig verstand, aber da hüpft man doch schnell mal ins Netz und schaut nach. Natürlich fand ich auch gleich ein ganzes Rudel von Forenbeiträgen und Seiten mit dem gesuchten Text - und musste feststellen, dass sie fast alle geklont waren! In der ersten Strophe gab es nämlich einen Tippfehler - genauer gesagt ein fehlendes Leerzeichen - und dieses Missgeschickt fand sich auf neun von zehn Seiten, die ich mir angesehen habe. Der zehnte Eintrag war von jemanden, der ebenso wie ich versucht hatte, den Text selber heraus zu hören, und der damit anscheinend ebenso viel oder wenig Erfolg gehabt hatte wie ich. Das ganze hat mir demnach nicht wirklich weiter geholfen. Heißt es nun “in the arm of these last hills” (was ein sonderbarer Satz wäre?) Aber “these last hells”, wie ein anderer vermutet, macht auch wenig Sinn, ist nur ungemütlicher. Und während ich verstanden habe, dass der Sänger sich einen “bower” bauen möchte (man muss ja irgendwo wohnen), behauptete ein Text, es wäre ein “bow” und der andere, es ginge um einen “bough” - wobei ich bisher dachte, das könnten nur Bäume basteln.
Fakt ist, dass die Regel “das, was die meisten behaupten, wird wohl richtiger sein” nicht anwendbar ist, wenn jeder einfach mit copy und paste das übernimmt, was er woanders findet, wie das Tippfehler beweist. Also werde ich wohl nochmal in den Lautsprecher kriechen und horchen müssen, was die Sängerin wirklich sagt. Und wenn ich es nicht heraus finde, muss ich einfach laut und mit viel Selbstvertrauen das Falsche singen.
Scheint ja eh egal zu sein… :-)