Rausch…
Nein, nicht der Weihnachtsrausch, nicht der Kaufrausch und sicher nicht der weinseelige. Ich bin im Kreativitätsrausch. Klingt gut? Ist es auch. Aaaaaber - die Tatsache, dass meine Inspiration gerne plötzlich und kompakt kommt , macht es manchmal schwer, sie in der Zeit auch auszukosten. Ich habe eine Idee und muss sie JETZTSOFORTUNDGANZUNBEDINGT umsetzen, sonst welkt sie, spuckt mir ein beleidigtes “Pöh!” entgegen und verschwindet. Und selbst wenn ich sofort alles stehen und liegen lasse und mich dran setze, bleibt sie nicht unbedingt länger als ein paar Tage bei mir. Die gilt es dann zu nutzen, sonst werden die schönen Ideen immer blasser, bis ich sie vergesse. Oder irgendwann in Skizzenbüchern finde und dieses Nachsinnen einsetzt “Achja, stimmt, das war ein guter Gedanke, das wollte ich ja auch mal machen”. Solche gebundenen Friedhöfe von Projekten, die glanzvoll hätten sein sollen, habe ich leider viel zu viele und die Erfahrung sagt mir, dass es sehr schwer ist, sie dann tatsächlich wieder zu beleben.
Ist das bei anderen auch so? Dieser “Flash” an kreativer Inspiration, der wie eine Überraschungsparty durch einen stürmt, um zu verschwinden, wenn man gerade irgendwie keine Zeit hat für Luftschlangen, Chips und Tanz? Ich meine, klar kann man nicht sagen “Feiert schonmal, ich mache eben hier meine Arbeit zu Ende und komme dann morgen nach, und dann seid bitte alle noch in Stimmung und nehmt mich auf.” Musen sind auch nur Menschen und lassen sich ungern die Tür vor der Nase schließen.
Manchmal habe ich das Gefühl, auf jede von mir umgesetzte Inspiration kommen drei, die verstaubt, vertagt, aufgeschoben, aufgegeben und vergessen sind. Vielleicht ist es das, was einen Künstler letztlich ausmacht: nichts aufzuschieben. Nichts zu vertagen. Musenpriorität steht auf “hoch”, der Rest der Welt kann warten. Und dann werden die Nächte durchgefeiert.
Alle anderen müssen versuchen, beides unter einen Hut zu kriegen, und der ist selten groß genug. Darum fallen mir jetzt auch gerade die Augen zu, während mein Zeichenstift noch nach mir ruft. Und ruft… und hörte ich da ganz leise schon die Andeutung eines…
Pöh?