13
Dez

Rausch…

   Posted by: britta   in Allgemeines

Nein, nicht der Weihnachtsrausch, nicht der Kaufrausch und sicher nicht der weinseelige. Ich bin im Kreativitätsrausch. Klingt gut? Ist es auch. Aaaaaber - die Tatsache, dass meine Inspiration gerne plötzlich und kompakt kommt , macht es manchmal schwer, sie in der Zeit auch auszukosten. Ich habe eine Idee und muss sie JETZTSOFORTUNDGANZUNBEDINGT umsetzen, sonst welkt sie, spuckt mir ein beleidigtes “Pöh!” entgegen und verschwindet. Und selbst wenn ich sofort alles stehen und liegen lasse und mich dran setze, bleibt sie nicht unbedingt länger als ein paar Tage bei mir. Die gilt es dann zu nutzen, sonst werden die schönen Ideen immer blasser, bis ich sie vergesse. Oder irgendwann in Skizzenbüchern finde und dieses Nachsinnen einsetzt “Achja, stimmt, das war ein guter Gedanke, das wollte ich ja auch mal machen”. Solche gebundenen Friedhöfe von Projekten, die glanzvoll hätten sein sollen, habe ich leider viel zu viele und die Erfahrung sagt mir, dass es sehr schwer ist, sie dann tatsächlich wieder zu beleben.
Ist das bei anderen auch so? Dieser “Flash” an kreativer Inspiration, der wie eine Überraschungsparty durch einen stürmt, um zu verschwinden, wenn man gerade irgendwie keine Zeit hat für Luftschlangen, Chips und Tanz? Ich meine, klar kann man nicht sagen “Feiert schonmal, ich mache eben hier meine Arbeit zu Ende und komme dann morgen nach, und dann seid bitte alle noch in Stimmung und nehmt mich auf.” Musen sind auch nur Menschen und lassen sich ungern die Tür vor der Nase schließen.
Manchmal habe ich das Gefühl, auf jede von mir umgesetzte Inspiration kommen drei, die verstaubt, vertagt, aufgeschoben, aufgegeben und vergessen sind. Vielleicht ist es das, was einen Künstler letztlich ausmacht: nichts aufzuschieben. Nichts zu vertagen. Musenpriorität steht auf “hoch”, der Rest der Welt kann warten. Und dann werden die Nächte durchgefeiert.
Alle anderen müssen versuchen, beides unter einen Hut zu kriegen, und der ist selten groß genug. Darum fallen mir jetzt auch gerade die Augen zu, während mein Zeichenstift noch nach mir ruft. Und ruft… und hörte ich da ganz leise schon die Andeutung eines…
Pöh?

29
Nov

Die Kommentare…

   Posted by: britta   in Allgemeines

… sind etwas, was die Welt zusammen hält. Nein, nicht die realen und wirklichen, sondern die von Programmen generierten, die ach-so-interessiert und verständnisvoll Stellung zu all meinen Beiträgen nehmen. “Das ist bestimmt nur eine Mode”, “Weiß jemand, wie sich das verallgemeinern läßt?” und “Danke, bevor ich das hier gelesen habe, wusste ich gar nicht, dass es das gibt” etc.
So schöne Allgemeinsätze, so universell benutzbar. Man könnte sie sich rausschreiben und auf der nächsten langweiligen Familienfeier stundenlange Gespräche auf diese Weise führen, so wie dereinst Eliza, die Menschen davon überzeugen wollte, auch ein Mensch zu sein. Manchmal steht zu befürchten, dass dafür nicht allzu viel nötig ist. Würzen wir den Kommentarcocktail noch mit persönlichen Aussagen wie “Oh, das ist schlimm, aber das wird schon wieder!” oder Fragen, die eine längere Antwort erfordern, in etwa “Und wie war dein Jahr so?” und man kann sich durch einen Abend konversieren, ohne auch nur einmal das Gehirn einschalten zu müssen.
Schwierig wird es nur, wenn das Gegenüber auch ein Blog hat und die Kommentare kennt und er einen auf die Aussage hin “Danke, nachdem ich das gehört habe, wundere ich mich schon, dass ich vorher so vernagelt war…” fragt, ob man zufällig ein Online-Casino besitzt.
Dann muss man sich tatsächlich eine eigene, neue Antwort ausdenken.
Andererseits…
“Ach, ich denke, das ist bestimmt nur so ein Trend.”
Geht immer.
Irgendwie.

23
Aug

Ein Interview…

   Posted by: britta   in Allgemeines

… mit dem Zauberspiegel über meine SF-Schreibereien :-)
Zauberspiegel Interview mit Sylke Brandt.

26
Jul

Das Mysterium der zweiten Strophe

   Posted by: britta   in Allgemeines

Vor vielen Jahren bin ich in Norwegen gewesen, auf einer Walforschungsstation. Die Leute dort kamen aus Skandivavien, aus den Niederlanden, aus Schottland, aus Deutschland. Gefeiert wurde natürlich auch gerne, und an einem Abend wurde… gesungen. Jede Gruppe sollte ein Volkslied zum besten geben. Die Schweden legten mit irgendas vor, was vierstimmg und schön war und so viele Strophen hatte wie der lange Winter Monate. Norweger und Dänen standen dem in nichts nach. Und als der erwartungsvolle Blick auf die Deutschen fiel, wurden wir nur rot und stammelten wie ein schlechter Schülerchor mit viel Mühe - mitten im Hochsommer - die erste Strophe von “O Tannenbaum” zusammen. Bei allen anderen Lieder hätte die Hälfte der Leute ohnehin mit “Lalala” improvisieren müssen, und zweite Strophen kannte eh fast keiner.

Irgendwie ist es spannend, wie wenige zweite Strophen man kennt, selbst wenn man sich durch die erste gewurschtelt kriegt. Und die haben dann auch noch echten Inhalt, so wie “Der Mond ist aufgegangen”, dessen Aussagen eigentlich erst zum Schluß deutlich werden (nicht, dass ich die so brillant finde, aber es gibt sie, und es ist mehr als Himmelskörperwatching). Ich stelle mir vor, wie die Liederschreiber über Jahrhunderte da saßen und an den Worten feilten, das richtige Maß an Länge und Inhalt zu finden versuchten, in der letzten Strophe einen schönen Abschluß fanden, ereichtert aufseufzend zurück sanken und nicht ahnten, dass von ihrem Werk etwas wie “Der Mond ist aufgegangen, die golden Sternlein lalala… am Himmelszelt… lalaaaaaaaa” übrig bleiben würde. Ob es jemanden gibt, der das vorhergesehen hat und dessen Strophen 2-5 von einem Lied nur aus beherzten “La” bestehen? Wäre das nicht sehr weise?

Ich habe ein paar Liederbücher gekauft über die Jahre, ganz aktuell eines mit alten Kinderliedern, aus gegebenem Anlaß, und bin immer wieder erstaunt über die Texte. Aber obwohl ich wirklich gerne und viel singe, würde Norwegen II nicht viel anders ablaufen als beim ersten Mal. Weil ich die Lieder nicht oft genug singe, weil ohnehin nicht mehr gesungen wird, wenn sich Leute treffen, weil ich mehr irische Volkslieder könnte als deutsche, weil es Tradition geworden ist, keine Tradition zu haben, was ich in dieser einen Hinsicht bedauerlich finde.

“O Tannenbaum” hat übrigens drei Strophen. Und zahlreiche Variationen, darunter eine sehr christliche. Und kann dreistimmig gesungen werden. Und die Melodie soll als Hymne des Bundesstaates Maryland Verwendung gefunden haben, als Gröhlgesag des Fußballvereins FC Chelsea und als Lied einer chinesischen Universität. Ein Wunder also, dass wir uns damals in Norwegen zumindest spontan auf eine Strophe einigen konnten.
Immerhin :-)

8
Jun

Mehr Bunte Kühe!

   Posted by: britta   in Allgemeines

Wenn ich gen Norden zur Ostseeküste fahre, komme ich an einer Autobahnabfahrt vorbei, die mich darüber informiert, dass ich hier nach “Buntekuh” abbiegen könnte - eines meiner liebsten Schilder. Ich habe mir den Ort nie angesehen, aber ich schätze seinen Namen sehr. Und letztes Mal fragte ich mich, ob eigentlich in Deutschland noch neue Ortschaften gegründet werden? Solche, die nicht nur “Neu-Irgendwas” heißen, sondern richtig frische, mit einem Namen, den es bisher noch nicht gab? Ich glaube eigentlich nicht - und finde es schade. Es wäre vielen Leuten sicherlich ein Fest, einem neuen Dorf einen Namen zu geben - wobei ich bezweifle, dass man heutzutage auf solch schöne, kreative und erfreuliche Wortschöpfungen wie die mit den farbigen Horntieren kommen würde.

Zumindest beweisen die meisten Stadtväter bei der Benennung neuer Straßen recht wenig Phantasie und greifen häufig in den großen Topf mit “berühmten Personen”, um dann deren Namen mit Straße/Weg oder im kreativsten Falle Allee/Gasse/Winkel zu kombinieren, bis eine ungelenke Kombination entsteht, mit der das Beschriften eines Briefumschlages wenig Freude macht. Mein Onkel wohnt in seinem Dorf in einem Märchenviertel im “Drosselbartweg” - das fand ich als Kind immer besonders charmant. Und merken konnte man sich das auch besser als manche “Wer war das noch gleich? egal!”-Straße. Ich frage mich, ob den Verantwortlichen heute der Mut fehlt für eine künstlerischere Namensgebung oder ob es einen “Leute, die wir noch unter bringen müssen”-Topf gibt, den sie erst leeren müssen. Ich möchte Wohnviertel, in denen die Straßen wie Sonnensysteme heißen (Wega-Weg! Beteigeuze-Straße!), wie leckere Torten (Sachertortenpfad, Schwarzwälderkirschweg), von mir aus auch wie Sportarten, Fabelwesen (Einhorngasse? Nehme ich sofort! Auch den Drachenpfad oder die Meerjungfrauenstraße!)… es gibt doch so viele Möglichkeiten! Und wenn es schon Personen sein sollen, warum dann immer echte, die keiner kennt, und nicht “unechte”, mit denen mittlerweile fast jeder was anfangen kann? Der Dumbledorewinkel, die Reiter-von-Rohan-Straße und natürlich die Galadrielallee. Wo ist die Phantasie, wo ist der Wagemut der Straßenplaner geblieben? Wo ihr Sinn für Schönheit oder Extravaganz? Gab es das nur früher, wie die “Reitende-Diener-Straße” in meiner Stadt bezeugt, ein Name, bei dem Kopfkino beginnt?
Sind die Bunten Kühe ausgestorben oder kriege ich die schönen Neuschöpfungen nur nicht mit?

7
Mai

Okay…

   Posted by: britta   in Allgemeines

…man muss schon ganz schön gelangweilt sein von seinem Abend, um in einer alten Rezept-und-Tipps-und-Werbezeitung aus dem Supermarkt zu blättern. Aber es geht schlimmer, zum Beispiel, wenn man den Spartipps folgen würde, die reißerisch mit “Gefahren-Zonen!” (rot auf gelbem Grund) betitelt sind. Nach den ungemein sinnvollen Hinweisen, das Milch an der Tankstelle und Brot am Bahnhof teurer sind und ein vermeindlicher Grabbeltisch nicht unbedingt Sonderangebote enthält, stolperte ich über diesen unglaublich nützlichen Absatz:

Altes Brot gibt es zum halben Preis. Nutzen Sie das Angebot! Machen Sie Croutons und Paniermehl draus.

Herrlich. Die einzige “Gefahren-Zone!” hier besteht in der absolut widersinnigen Vorstellung, sich bergeweise Brot vom Vortag zum halben Preis zu kaufen, es nach Hause zu bringen, sich da gemütlich eine Kerze anzuzünden, ein bißchen Musik anzumachen und sich dann mit der Küchenreibe hinzusetzen, um erstmal ganz clever ein paar Pfund Paniermehl herzustellen. Voll der Fuchs, wer das tut! Nicht, dass es Paniermehl sehr günstig zu kaufen gibt (zumindest in den im Haushalt notwendigen Mengen, ich meine, wer präpariert regelmäßig Dinosaurier für die Pfanne?), nein, hier geht es ganz offensichtlich darum, mit einem leisen Kichern ob der eigenen Gewitztheit vor sich hin zu reiben, so ein Stündchen am Abend.
Da starre ich jetzt vielleicht lieber noch eine Weile in den Garten. Ja, es ist schon dunkel draußen, ich weiß. Immer noch besser :-)

21
Apr

FERTIG!

   Posted by: britta   in Allgemeines

Stellt euch vor, ihr sitzt entspannt beim Frisör und die Frisörin legt gerade letzte Hand an ihr Werk. Dann lächelt sie, beugt sich vor und brüllt unvermittelt los: “ICH BIN FERTIG! ICH BIN FERTIG! ICH BIN FERTIG! ICH BIN FERTIG!”
Eine bizarre Idee?
Also, meine Küchengeräte machen das täglich und ich kann sie dafür hassen. Kürzlich stand ich unvorsichtigerweise neben meinem Backautomaten und werkelte konzentriert an irgendwas herum, als er mir mit schrillem und lauten Piepsen verkündete, dass das Brot fertig sei, und kurz darauf fiel die Spülmaschine ein und wollte anscheinend für’s Tellerwaschen auf die nicht vorhandene Schulter geklopft werden. Mal ehrlich: wie wichtig ist es für 90% aller Spülmaschinennutzer zu wissen, dass der Waschgang durch ist? Wie viele stehen mit fiebriger Anspannung neben dem Gerät und warten auf das erlösende Signal, sie jetzt endlich ausräumen zu dürfen? Eine Bekannte von mir hatte eine Waschmaschine, die nicht nur einmal auf diese Weise um ihre Aufmerksamkeit heischte, sondern immer und immer wieder, wenn sie nicht erhört wurde. Hilfe, die Wäsche ist fertig. Da werden Haushaltshelfer zu Tyrannen, die einem die Schweißtropfen auf die Stirn piepen, wenn man gerade kühnerweise nicht einsatzbereit ist.
In zahllosen SF-Filmen geben die Geräte leise Zwitscherlaute von sich, dezentes Fiepsen oder verkünden ihre Botschaften mit sanfter Stimme. Wenn es schon ein Signal sein muss, warum kriege ich dann nicht etwas in der Art, was mich nicht dazu auffordert, das Gerät nach meinem spontanen Erschrecken anzuschreien oder aus dem Fenster zu werfen? Soll das einfach den Absatz steigern, wenn ich nachher vor den rauchenden Überresten meiner Maschinen stehe? Oder ist es ein akustisches Sinnbild für die wachsende Abhängigkeit des Menschen von seinen Geräten, dass er ihnen Frechheiten erlaubt, die er einem menschlichen Dienstleister nicht durchgehen lassen würde?
In diesem Sinne:
DER ARTIKEL IST FERTIG!!!

19
Mär

As time goes by…

   Posted by: britta   in Allgemeines

Huch, endlich Frühling?
Die Zeit verfliegt gerade, mischmascht sich zu einer schönen Abfolge an Tagen, jeder einzelne geschäftig, viele auch wieder abwechslungsreich, die allermeisten angenehm, und insgesamt nett frei von großen Ereignissen, über die es sich hier zu berichten lohnen würde…
Demnach ist das hier ein Fülleintrag um zu zeigen: “ja, ich lebe noch!”.
Immerhin die unabdingbare Basis für spätere, inhaltsvollere Einträge.
Frühling ist halt die Zeit der Hoffnung :-)

31
Jan

Was gar nicht geht…

   Posted by: britta   in Allgemeines

… ist ein Hörbuch auf Englisch von Jane Austens “Pride and Prejudice” zu finden und festzustellen, dass die Frau, die den Text liest, einen enormen, dominanten amerikanischen (!) Akzent hat.
Nope.
Nein.
Gar nicht.
Argh.

27
Jan

   Posted by: britta   in Allgemeines

Vor mehr als einer Woche fand ich in einem Zaun an einer Straße in unserem Dorf eine Puppe - sie wirkte auf mich, als käme sie aus einem anderen Zeitalter und hätte sich beim Sturz durch die Jahrhunderte den Kopf aus Porzellan zerbrochen.



Es gab keine Scherben auf dem Weg, nur dieses kopflose Spielzeug in dem regennassen Kleid aus Satin und Rüschen, das irgendwer zwischen die Bohlen geklemmt hatte, damit… ja, warum? Damit das Kind seine verlorene Puppe wieder holen kann? Niemand will eine Puppe, die keinen Kopf mehr hat, ganz gleich, wie unversehrt der Rest sein mag…

Der Anblick dieses zufälligen Arrangements hat mich irgendwie berührt und ich dachte tatsächlich noch eine Weile daran, war mir aber sicher, dass schon jemand kommen würde, und das zerbrochene Spielzeug mitnehmen.

Doch heute war ich wieder an der Stelle und es hatte sich nichts getan. Niemand beansprucht die Puppe, niemand wird sie sich holen, das “Warten” von ihr wird kein Ende nehmen. Vielleicht wird das adrette Kleid irgendwann genauso von Moos überwuchert wie der Zaun selber. Für eine Weile wird das ganze auf jeden Fall noch ein seltsamer Anblick bleiben, irgendwie eine winzige Szene, die etwas Trauriges an sich hat und so wirkt, als würde sie nicht ins Hier und Heute gehören.